Es ist jetzt drei Monate her. Nach (sehr) langer skeptischer Beobachtungsphase hatte ich mich Anfang November 2009 zur aktiven Twitter-Nutzung entschlossen. Damals schrieb ich in einem Post über Zahlen zur Twitter-Nutzung:
Mich interessierte nun, wen ich mit Twitter überhaupt erreiche. Es soll ja nicht Selbstzweck sein, sondern mir
- interessante Informationen zugänglich machen (die ich bisher über Suchmaschinen fand) und
- neue geschäftliche Kontakte verschaffen.
Nun, fast 1000 Tweets und drei Monate später, ist es Zeit für ein erstes, ganz persönliches Fazit abseits aller Diskussionen um ‘Twitter als Marketingkanal’. Hat die Nutzung von Twitter meine Erwartungen erfüllt? Ist twittern für mich sinnvoll? Wie und in welche Richtung hat sich meine Kommunikation im Netz verändert? Wie sieht das Kosten/Nutzen-Verhältnis aus? Ja, Kosten/Nutzen-Verhältnis, denn twittern kostet Zeit und damit verursacht es aus unternehmerischer Sicht auch Kosten.
In den drei Monaten habe ich – abseits von den ‘Top 10 Twitter-Tipps’ und allen kostenlosen eBooks zu und über Twitter – meinen Weg, Twitter zu nutzen, gefunden.
Inhaltliche Tweets mit Mehrwert
Ich twittere selten über persönliche Befindlichkeiten und halte es da eher wie Kerstin Hoffman (PR-Doktor), die in ihrem Post “Hoffentlich sieht mich hier keiner!” schrieb ‘…ich versuche, mein Privatleben so weit wie irgend möglich aus allen Medien herauszuhalten.’
Ich versuche informative Inhalte zu twittern. Dass nicht alle Informationen für alle, die mir folgen, gleich interessant sind, ist klar. Aber das, was mir bei meinen täglichen Recherchen auffällt, gebe ich weiter. Und ich verteile meinerseits auch interessante Tweets anderer per RT weiter. Aber auch mit diesem Feature gehe ich eher sparsam um, auf den Retweet-Link ist schnell geklickt und die Timeline anderer mit ‘RT’ schnell überhäuft.
Twitterer, die offensichtlich nie schlafen und ihre (Werbe)Tweets über 24 Stunden absetzen, entfolge ich nach einer gewissen Zeit. Ebenso solche, die Twitter nur für einen neuen Werbekanal halten.
Kein ‘Verfolgungswahn’
Der wichtigste Erfolgsfaktor bei Twitter ist nicht, dass man die besten Tools zu Followersteigerung kennt. Tweets mit Erfolgsmeldungen wie ‘Noch 30 dann habe 5000 Follower’ erinnern mich immer daran, dass unsere Vorfahren Jäger und Sammler waren. Es ist für mich nicht wichtig, möglichst viele Follower zu sammeln, sondern ich möchte guten Content zu liefern. SEO Monster schrieb in einem lesenswerten Artikel über Twitter und der Verfolgungswahn: Follower, die dir aus eigener Initiative folgen, sind mindestens doppelt soviel wert, als die, die dich einfach zurückverfolgen.
Aus diesem Grund folge ich auch nicht automatisch allen meinen Followern, so wie es oft empfohlen oder sogar erwartet wird. Ich sehe mir die Timeline neuer Follower über eine längere Strecke an und entscheide dann, ob ich folge oder nicht. Ich nehme dann gerne in Kauf, dass sich viele neue Follower nach ein paar Tagen wieder abmelden. Diese waren dann sowieso nicht an meinen Inhalten interessiert oder durch An-/Abmeldetools generiert. Außerdem halte ich es für ehrlicher, als Follower in Listen zu ‘verstecken’.
Twitter als Informationskanal
In den drei Monaten, in denen ich Twitter nun aktiv nutze, habe ich über die Tweets anderer eine Unmenge an Informationen erhalten, an die ich ohne Twitter nie gekommen wäre. Da stört es auch wenig, wenn viele Links mehrmals auflaufen. Ich wünschte mir an dieser Stelle, dass die Retweet-Funktion besser genutzt würde. Gleiche Links unter unterschiedlichen ‘Schlagzeilen’ sind keine Seltenheit. Ich meine, man sollte, wenn ein Artikel verlinkt wird, die Überschrift des Artikels zumindest auch verlinken und nicht nur eine subjektive Zusammenfassung. Eine ‘Meinung’ über den verlinkten Inhalt bildet sich jeder Leser sowieso.
In seiner Funktion als Informationskanal ist Twitter unschlagbar. In einem riesigen Netzwerk sind Twitter-Nutzer unterwegs und stellen zusammengetragene Informationen auf einer einheitlichen und allen zugänglichen Plattform zusammen.
Fazit
Mein Fazit fällt kurz aus: Ich werde weiterhin twittern. Die erhofften geschäftlichen Kontakte (s. o.) werden sich noch finden.
1. Februar 2010 um 10:08 Uhr
Sehr schön zusammengefaßt – das Twitterwesen. Ich halte es übrigens genauso wie du: ich folge nicht automatisch jedem der mir folgt. Ich sondiere auch die Timeline und entscheide dann, ob es sich für mich lohnt. Auch gehe ich in loser Folge einzelne Timelines derer durch, denen ich folge. Und es kommt durchaus vor, dass ich nach ein paar Wochen entscheide, das Follow wieder aufzuheben.
Letztlich ist nach wie vor die wichtigste Devise für mich, die wichtigen Dinge trotzdem zu tun. Denn zu einem dient Twitter ganz gut: mich abzulenken.
Winterliche Grüße vom Bodensee
Jörg – der Themenmixer
1. Februar 2010 um 19:53 Uhr
Für manche Leute kann eine hohe Zahl von Followern schon sinnvoll sein, doch grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass es auf die Inhalte ankommen sollte.
Die Inhalte erreichen ja nicht nur die eigenen Follower, sie werden möglicherweise retweetet oder über eine Suchmaschine gefunden.
Ja, ich folge auch nicht allen, die mir folgen. Entweder, jemand interessiert es, was ich zu twittern habe oder nicht. Ich bin allerdings schon geneigt, jemandem zu folgen, der mir folgt.
Eines der wichtigsten Ausschlusskriterien ist bei mir, ob jemand zu viel twittert. Da kann es noch so interessant sein, bei zu viel Aktivität nehme ich mir gar nicht erst vor, zu lesen, was jemand schreibt.
Und interessieren sollte es mich auch irgendwie, was derjenige zu sagen hat. Dabei kann der Unterhaltungswert auch mal ein Kriterium sein.