Klout-Score: »Influences« oder »Coincidences«?Welche Gültigkeit hat das Konzept?

Dieser Artikel ist bereits in unserem Schwester-Blog www.ishpc.de erschienen.

klout

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl der »Follower« nichts über seinen Einfluss auf Twitter aussagt. Welche Fak­toren dazu führen, dass diese Auf­merk­sam­keit erreicht wird, unter­suchten Wissen­schaftler von HP und der Stanford University anhand der »Trending Topics« bei Twitter.

Den Anspruch, den Online-Einfluss von Menschen und Organisationen auf Twitter, ja sogar für das gesamte soziale Netzwerk zu beschreiben, erhebt auch Klout: »Klout identifies influencers on topics across the social web«.

Erfasst wird ein von Klout entwickelter Satz an Kenngrößen, der im »Score« zu­sam­men­ge­fasst wird. Diese Kenngrößen sind:

  • Klout Score = Measurement of your overall online influence
  • True Reach (Reichweite) = Size of your engaged audience
  • Amplification (Verstärkung) = Likelihood that your content will be acted upon
  • Network (‘Zuhörer’ im Netzwerk) = Influence level of your engaged audience

Welche Daten nutzt Klout?

Begonnen hat Klout vor nun fast zwei Jahren als Tool zur Messung von Einfluss und Reichweite von Usern auf Twitter. Inzwischen fließen in die Analyse auch andere Netz­werke ein, aktuell sind das Facebook und LinkedIn. Der Algorithmus zur Berechnung des Score wurde angepasst:

Today, we’re pleased to announce several improvements to the Klout score and its platform.

Highlights:

  • Enriched our data sources
  • Re-engineered our data collection and influence signal parsing platform to capture a broader set of key influence signals across an even larger population
  • Improved the quality of our scoring algorithm by both adding new influence inputs and adjusting the importance of inputs for individuals and their influence networks

Der Einfluss des neuen Algo­rith­mus in Ver­bin­dung mit Facebook-Connect scheint er­heb­lich zu sein. Sie können dies für Ihren Klout-Score testen, indem Sie die Ver­bin­dung zu Face­book kappen (disconnecten) und Klout erneut laden. Die Einbindung von LinkedIn ist neu, die Auswirkungen nicht abschätzbar. Generell kann man jedoch davon ausgehen, dass auch hier der Zugang zu Ihren Daten von Klout »belohnt« wird.

Nach eigenen Angaben geht es Klout nicht darum »herauszufinden, wer steht auf der “A-Liste.” Wir glauben, dass jede Person, die Inhalte erstellt, Einfluss hat. Unsere Mission ist es, jeden einzelnen zu verstehen und seinen Einfluss zu verstärken.« Zu schön, um wahr zu sein. Klout ist ein Wirtschafts-Unternehmen und die Investoren wollen Geld sehen. Also bietet Klout Basisdienste kostenlos an, um möglichst viele User an die Plattform zu binden und buhlt um Bezahlkunden. Mit Perks hat Klout einen schon breit genutzten kos­ten­pflich­ti­gen Dienst für Marken und Unternehmen gestartet.

Wie misst Klout?

Der Algorithmus, mit dem die Klout-Ingenieure den Score berechnen, wird nicht ver­öf­fent­licht. Brian Solis, wie immer gut informiert, hat kurz nach dem Launch von Klout in einem Blogpost Anhaltspunkte für die Berechnung geliefert.

klout_algorithmus_by_solis
Grafik: Brian Solis

Solis beschreibt in diesm Posting sehr allgemein die Stufen der semantischen Berechnung des Klout-Score. Aber es gibt auch viel Kritik an dem Anspruch von Klout, einen validen Wert für den Einfluss eines jeden Users der sozialen Netzwerke zu liefern.

Ist das Klout-Konzept valide?

Ich möchte jetzt nicht auf die Merkwürdigkeiten bei einzelnen Klout-Scores abheben, z. B. den von Justin Bieber (100) im Vergleich zu Oprah Winfrey’s Score (71), sondern auf die Grundlagen der Berechnung eingehen. Nicht ohne Genugtuung meldet Kelly Clay auf Social Media & Technology, dass die zu­grun­de­lie­gen­den »Nutzerprofile nicht genau sein können« und dass natürlich Einfluss auf den Klout-Score hat.

In an email exchange with Klout representative Ashley, she conceded that “[t]here are a number of reasons that cause discrepancies and Klout is working very hard to fix them.” Users may see some profiles that underestimate a users’ actual unique mentions, retweets, retweeters, or list inclusions – just to name a few of the factors. The Klout algorithm also considers influencers, and within some Klout profiles this information is completely missing, or severely out of date. Prior to contacting Klout, I lacked “achievements” for retweets, mentions, and lists, as well as a module for other users I influence.

Zum Abschluss seines Postings schreibt er: Die Klout-Scores scheinen immer willkürlich, aber wenn offensichtliche Informationen fehlen oder unterrepräsentiert sind, wie gültig ist dann das gesamte Konzept?

Was ist mit den Twitter-Daten?

Und das ist wohl die grundlegende Frage. Nicht die Bemühungen zur Optimierung des Algorithmus sind das Entscheidende, sondern die zugrunde liegende Datenbasis. Den größten Anteil daran hat, wie kann es anders sein, Twitter. Die Einbindung anderer Netzwerke in den Klout-Score mag schon die Antwort der Verantwortlichen bei Klout auf die vage Ahnung sein, dass mit den von der Twitter-API gelieferten Daten nicht immer alles stimmt.

Beispiele dafür gibt es reichlich, möglicherweise können Sie das sogar einfach nach­voll­ziehen. Nachdem Twitter von einer Minute auf die Andere mehr als 5.000 meiner Tweets verschluckte, begann ich, genauer hinzusehen. Was ich sah, war zum Teil erschreckend. Ein Beispiel ist die Anzeige der Profildaten an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Zeiten.

tw_tweet_chaos
Stutzig geworden, öffnete ich danach zwei Instanzen von Twitter parallel (erkennbar an gleichen Tweets vor 9 min versendet). Sie sehen eine unterschiedliche Anzahl von Tweets, eine unterschiedliche Anzahl von Followern, wobei auch die angezeigten Follower unterschiedlich sind. Dazu unterschiedliche Angaben bei »Ähneln Dir«. Mag sein, dass letztere bei jeder Instanz nach dem Zufallsprinzip ausgewählt sind. Tweets und Follower jedenfalls sollten dies nicht sein.

twitter_2500Follow

twitter_7500Follow

Über Gründe kann spekuliert werden. Birgit Dondorff hat in einem Post auf dem KMU – Spicker einen Hinweis gegeben. Sie schreibt dort:

Es mag derzeit an dem enormen Andrang [auf Twitter] liegen. Twitter selbst ist seit geraumer Zeit dabei, die Plattform zu optimieren. Möglich, dass man diesen Defiziten u.a. noch nicht technisch nachkommen konnte.

Das ist nicht von der Hand zu weisen. Twitter ist möglicherweise nicht mehr in der Lage, auf allen Servern aktuelle und damit gleiche Daten vorzuhalten, es mangelt scheinbar an der Synchronisation der Server. Das hat nicht nur Auswirkungen bei Twitter, sondern bei jedem der auf die Daten über die Twitter-API zugreift. Also auch für Klout.

So unsicher der Klout-Score auch ist. Für eines können Sie ihn immer verwenden. Filtern Sie Ihre Timline mit Hilfe des Klout-Scores um Spammer fernzuhalten: Ein Score von 15 oder darunter ist der Regel ein guter Indikator dafür, dass jemand entweder völlig neu ist oder ein Spammer.

Wie denken Sie über den Klout-Score? Liefert er nur Anhaltspunkte oder misst er wirklich so etwas wie Online-Einfluss? Oder ist es nur ein neuer Hype? Über Antworten in den Kommentaren freue ich mich.

1 Kommentar

  • [...] Wie? Du kennst Klout nicht? Mach dir nichts draus, sagte mir als langjährigem Twitter-User auch nichts. Klout ist ein Dienst (Unternehmen), der versucht deinen Einfluss im Social Web als eine Zahl darzustellen, dem sogenannte „Klout Score“. Mit Hilfe dieser Zahl kannst du dann deinen Einfluss (oder den deiner Firma) mit dem anderer zu vergleichen und somit sehen ob deine Social-Media-Aktivitäten Früchte tragen. Wie genau dieser Score zu Stande kommt und ob er wirklich aussagekräftig ist mag zwar interessant sein ist aber nicht Inhalt dieses Artikels. Wer mehr über den Klout und/oder seine Score-Ermittlung lesen will der klicke doch bitte hier, hier oder hier. [...]

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